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1.11.2011 / Leistungssport
3. Jugendgolfkongress setzt Impulse
Mit hochkarätigen Referenten wie Olympiamedaillenge- winnerin Steffi
Nerius (Speerwurf) und dem langjährigen Basketball-Bundestrainer.
Dirk Bauermann blickte der Deutsche Golf Verband beim 3.
Jugend-Golfkongress am 18. und 19. November mit fast 300 Gästen auf
Olympia 2016.
Golf kehrt 2016 in das Programm der Olympischen Spiele zurück. Nach mehr
als 100 Jahren Unterbrechung werden jeweils 60 Männer und Frauen um
Gold, Silber und Bronze kämpfen. Um noch gezielter die jungen Sportler
für den Hochleistungssport Golf begeistern zu können, blickte der dritte
Jugendgolf-Kongress im Paderborner Heinz Nixdorf MuseumsForum über den
Tellerrand hinaus. Hochkarätige Referenten aus anderen Sportarten gaben
spannende Einblicke und machten die Faszination Olympia greifbar.
Der langjährige Basketball-Bundestrainer Dirk Bauermann sprach über die besonderen Erfahrungen, die eine Olympia-Teilnahme mit sich bringt.
Den fast 300 anwesenden Golfprofessionals, Jugendtrainern und
Funktionsträgern aus Verbänden und Clubs wurden dadurch viele Anregungen
präsentiert, welche zusätzlichen Impulse im Kinder- und Jugendtraining
für die Förderung der Leistungsentwicklung gegeben werden können.
DGV-Präsident Hans Joachim Nothelfer umriss bei der Kongress-Eröffnung
seine Erwartungen: „Nicht alles, was wir hier hören, ist direkt auf Golf
zu übertragen. Jeder der Teilnehmer ist aber aufgefordert, bei sich zu
schauen, was man aus den Vorträgen und Diskussionen ziehen und mit nach
Hause nehmen kann. Seien wir kreativ!“
DGV-Präsident
Hans Joachim Nothelfer
Impulse von Dirk Bauermann und Steffi Nerius
Dirk Bauermann am Anfang und Steffi Nerius am Ende sorgten mit sehr
emotionalen Schilderungen ihrer Erfahrungen bei Olympischen Spielen
dafür, dass die Kongressteilnehmer eine Vorstellung davon bekommen, was
es für den einzelnen Sportler, aber auch für eine ganze Sportart
bedeutet, bei Olympia am Start zu sein.
Dirk Bauermann, derzeit Coach beim Bundesliga-Aufsteiger FC Bayern
München, hat als Trainer der Basketballnationalmannschaft über Jahre
Entwicklungen mitgeprägt. „Man kann nur allen gratulieren, die zu
Olympia hingehen können, weil sie eine Erfahrung erleben werden, die es
sonst nicht gibt. Ich war bei mehreren Welt- und Europameisterschaften.
Aber es gab nichts Großartigeres als diese Erfahrung Olympia!“
Steffi Nerius, die 2004 in Athen die Silbermedaille im Speerwurf
gewonnen hatte und in ihrer Laufbahn zahlreiche Titel und Medaillen bei
Welt- und Europameisterschaften gewann, plauderte über ihre
reichhaltigen, emotionalen Erfahrungen bei Olympischen Spielen. Aus den
Erlebnissen bei Meisterschaften habe sie stets Motivation für hartes und
intensives Training gezogen, so Nerius.
Die Ziele des DGV
Diesen Spielball nahm Florian Bruhns gerne auf. „Nach der Vision Olympia
haben wir nun die Vision Gold. Das ist ein großer Schritt“, sagte der
Sportdirektor des DGV. Allerdings seien im Golfsport, anders als bei
praktisch allen anderen Sportarten, die besten Athleten, die
Profispieler, nicht unter dem Dach der nationalen Verbände organisiert,
sondern selbständige Unternehmer. Erfolge sind von Einzelnen abhängig.
Dennoch sei der Verband gefordert, Rahmenbedingungen zu setzen und
Strukturen zu schaffen, so dass möglichst viele Golfer erfolgreich
sportlich wachsen könnten.
„Der Wettkampf ist das Herz des Sports, das Wettkampfsystem die Seele
des Verbands“, sieht Florian Bruhns einen Kernanspruch an den DGV. „Nur
aus einer starken nationalen Wettkampfstruktur heraus entstehen die
Spieler-Generationen, mit denen sich zielkonforme, internationale
Erfolge generieren lassen.“
Wichtig sei es zudem, Spitzengolfer auf dem Weg ins Profigeschäft zu
unterstützen. Um auf Dauer die größtmögliche Anzahl an Spielern auf die
Touren zu bringen, seien ein funktionierender Nachwuchsbereich, ein
Spitzenamateurbereich und gute Jungprofis nötig. Florian Bruhns
appellierte an die Kongress-Teilnehmer: „Dieses alles bedeutet viel
Arbeit, Visionen und den Willen, den Golfsport zu fördern. Lassen Sie
uns gemeinsam danach streben: Vision Gold!“
DGV-Sportdirektor Florian Bruhns
Was zeichnet einen guten Trainer aus?
Der Cheftrainer „Field“ im Deutschen Leichtathletik-Verband Herbert
Czingon zeigte anschließend auf, welche Funktion der Trainer einnimmt
und was es bedeutet, ein guter Trainer zu sein. „Trainer zu sein heißt,
Menschen zu verändern“, sagte Czingon. Dem Trainer komme auch eine
pädagogische Verantwortung zu, den jungen Sportler auf dessen Ziele hin
vorzubereiten.
Ressourcen für Erfolge wachsen bei Trainern laut Czingon im Laufe ihrer
Tätigkeit: Zum Talent kommen Fertigkeiten, die bei Aus- und
Weiterbildung gewonnen werden. Nach und nach wächst der
Erfahrungsschatz. Die Kombination aus diesen Faktoren zeichne einen
guten Trainer aus.
Leistungsreserve Sprungkrafttraining
Spannend und sehr praxisrelevant zeigte Wolfgang Killing, Leiter der
Trainerschule des Deutschen Leichtathletik Verbands, wesentliche
Elemente einer soliden, allgemeinen athletische Ausbildung am Beispiel
Sprungarbeit.
Um Fortschritte in technischen Bereichen seiner Disziplin erzielen zu
können, bräuchten junge Sportler ein solides Fundament an Kraft und
Ausdauer, da ansonsten Fehlhaltungen oder falsche Übungsausführungen den
Trainingseffekt bei technischen Übungen zunichte machen könnten.
Die Relevanz des Sprungkrafttrainings für den Golfsport unterstrich
DGV-Bundestrainer Ulrich Eckardt (Jungen). Aus seiner Sicht gibt es eine
klar zu erkennende Korrelation zwischen Sprungkraft und Schlaglänge.
Daher werde bei den Jungen regelmäßig Sprungkrafttraining durchgeführt.
Auch im Damengolf gehören bei den Nationalkadern solche Übungen
standardmäßig zum Training.
Leistungsreserve Langhanteltraining
Dass die Sportarten Golf und Gewichtheben gar nicht so weit auseinander
liegen, stellte Diplom-Trainer Martin Zawieja,
Olympia-Bronzemedaillengewinner im Gewichtheben, heraus. Bei beiden
Disziplinen gehe es um komplexe Bewegungsmuster mit explosiver
Kraftentfaltung, bei denen die Koordination der unterschiedlichsten
Muskeln perfektioniert werden müsse, um Spitzenleistungen bringen zu
können.
Zawieja sieht im Langhanteltraining die Zukunft. Krafttraining diene
immer einem langfristigen Leistungsaufbau. Durch die Erhöhung der
muskulären Leistungsfähigkeit einzelner Muskelgruppen und -ketten könne
der Sportler auf ein Niveau gebracht werden, das alleine mit
golfspezifischen Belastungen nicht zu erreichen sei.
Bedeutung von Trainingswissenschaft wächst
Zum Abschluss des ersten Tages fasste DGV-Präsident Hans Joachim
Nothelfer die vielfältigen Themen kurz zusammen und stellte fest, dass
viele Räder bewegt werden müssten, um im Leistungssport erfolgreich zu
sein. Die Trainingswissenschaft sei im Golfsport erst seit den 90er
Jahren ein Thema, aber die Bedeutung wachse. „Daher bin ich dankbar für
die interessanten Einblicke, die wir heute bekommen haben“, so
Nothelfer. „Nutzen wir den Input, um Schritt für Schritt da hinzukommen,
wo andere Sportarten schon lange sind.“
Das biologische Alter
Mit einem fundierten Vortrag eröffnete Ernst Bernhard Zwick den zweiten
Kongresstag. Die Optimierung der Trainingssteuerung im Kinder- und
Jugendgolf durch Berücksichtigung des biologischen Alters wurde von dem
Mediziner der Orthopäde an der Uniklinik für Kinder- und Jugendchirurgie
in Graz sehr plausibel erklärt. Nicht alle Kinder im Alter von sechs
Jahre seien im gleichen Entwicklungsstand. Eine optimale Förderung sei
daher nur möglich, wenn der Professionell oder Trainer wisse, in welchem
Alter was sinnvoll trainiert werden sollte und kann.
Kinder behutsam aufzubauen und nicht zu früh auf Wettkampfergebnisse zu
schauen, sei ein wichtiger Schritt, um nachhaltig erfolgreiche Sportler
formen zu können.
Qualität und Quantität im Kinder- und Jugendtraining
Fabian Bünker und Christian Lanfermann, beide A-Trainer DGV und
Diplom-Trainer in Ausbildung, erklärten in ihrem Vortrag, mit welchen
spezifischen Problemen der Golfsport im Vergleich zu anderen Sportarten
zu kämpfen hat, um sich als Leistungssport zu präsentieren.
Allgemein gelte die 10.000-Stunden-Regel. Nach zehn Jahren, was in etwa
10.000 Trainingsstunden entspreche, sei in den meisten Sportarten der
Leistungszenit erreicht. Im Golf sei es eher doppelt soviel Aufwand,
denn oft seien die Sportler, die mit sechs Jahren angefangen haben, erst
mit 26 Jahren fest auf der Tour etabliert.
Dass Deutschland bei 610.000 Golfern nur einen Sportler unter den Top 20
der Welt und nur 13 Aktive auf den internationalen Touren hat, führte
Bünker zu dem Schluss: „Es gibt zu wenige Kinder und Jugendliche, die
ein Handicap von 36 oder besser haben.“ Die Quantität sei nicht
ausreichend, daraus folge auch ein Defizit an Qualität.
Das Fazit der beiden angehenden Diplom-Trainer: Es muss stärker eine
Sportphilosophie in den Clubs verankert werden, und es müssen
kindgerechte Wettspielangebote geschaffen werden. Die Forderung von
Fabian Bünker und Christian Lanfermann an ihre Kollegen lautet: „Wir
müssen Sporttrainer werden! Wir müssen eine Passion für Jugendgolf auf
allen Ebenen entwickeln!“
Gründung eines Fördervereins
Um die Kosten einer intensiven Jugendarbeit aufbringen zu können, ist
die Einrichtung eines Fördervereins ein gutes Werkzeug. Der ehemalige
Jugendbeauftragte des DGV, Professor Kurt Pielsticker und Uwe Kürschner,
Jugendwart Zimmerner GC, berichteten über ihre Erfahrungen bei der
Gründung von Fördervereinen sowie über Gestaltungsmöglichkeiten, diesen
mit Leben zu erfüllen.
Der Weg, einen Förderverein zu gründen und die Gemeinnützigkeit zu
beantragen sei nicht kompliziert und werde vom DGV durch eine
Mustersatzung sehr erleichtert.
Fazit der Veranstaltung
Die meisten Referenten gaben zu verstehen, dass der Talentbegriff
überfordert werde. Letztlich sei harte und konsequente Arbeit der
Schlüssel zum Erfolg.
Dies wurde auch beim abschließenden Sportlertalk deutlich, bei dem
LET-Spielerin Caroline Masson, Lara Katzy und Benedict Staben als
Kaderspieler des DGV, Nationaltrainer Stephan Morales und Steffi Nerius
in unterhaltsamer Art von Moderator Uwe Bornemeier befragt wurden.
DGV-Präsident Hans Joachim Nothelfer fasste die beiden intensiven
Kongresstage prägnant zusammen: „Sportler gewinnen die Titel. Wir
schaffen nur den Rahmen. Aber wir sind auf alle Titel stolz, die
gewonnen werden. Ich nehme aus Paderborn mit: Wir können von anderen
Sportarten noch viel lernen. Es ist nicht alles 1:1 übertragbar, aber
Impulse können gesetzt werden. Wir müssen dazu die Weichen stellen.“
Die Kongressteilnehmer verabschiedet der DGV-Präsident mit den Worten: „Sie sind Teil der Arbeit auf dem Weg nach Olympia!“
Quelle und Foto : www.golf.de/dgv
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