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In der kalten Morgenluft dampft der Atem der Sportlerinnen, die von
der Laufrunde kommen und sich dann auf ihr Präzisionswerk konzentrieren.
Dabei müssen sie versuchen, den Puls in den Griff zu bekommen. Ein
Fehler - und eine Strafe erhöht in der nächsten Runde die Belastung vor
dem folgenden Shootout nur noch weiter.
Wer nun meint, hier sei von einem Trainingslager den Biathletinnen um
die Rekordweltmeisterin Lena Neuner die Rede, der irrt gewaltig:
Nationaltrainer Marcus Neumann hat den B-Kader der Golferinnen zum
Lehrgang nach Mallorca eingeladen. Mitte Januar war es dabei in der
Frühe so kalt, dass der Atem kondensierte. Gegen Mittag gab es dagegen
angenehme und trainingsfreundliche 16 Grad.
Das Trainer- und Betreuerteam hatte sich für den viertägigen Lehrgang
auf der Baleareninsel ein intensives Programm zu Recht gelegt, das die
acht angereisten Top-Amateure von früh am Morgen bis spät in den Abend
reichlich forderte. Die Vorstellung, so ein Kaderlehrgang hätte auch nur
ansatzweise Ähnlichkeiten mit dem letzten, eigenen Golfurlaub, sind
total abwegig.
Morgenaktivierung
Anstatt morgens gemütlich auszuschlafen, in Ruhe zu frühstücken und dann
bei warmem Sonnenlicht nach kurzem Einschlagen auf das erste Tee zu
treten, klingelt beim Nationalkader früh der Wecker.

Marcus Neumann organisiert die erste Übungsform im Morgentau auf dem Übungsgrün
Physiotherapeutin und Fitness-Coach Anne Dinser versetzt die Muskeln
der Mädels in Habacht-Stimmung. Mit einem schweißtreibenden Programm
geht es schon los, ehe es auf den Golfplatz oder die Driving Range geht.

Michael Terwort, der Co-Trainer von Marcus Neumann, stand heftig
dampfend auf dem Grün, als er die Morgenaktivierung seines Teams
mitmachte
Die Übungsform, bei der Fitness und Konzentration gleichermaßen
trainiert werden, ähnelt tatsächlich dem Biathlon. Auf dem Puttinggreen
sind unterschiedliche Aufgaben gesteckt. Kurze, mittlere und auch ganz
lange Putts werden trainiert. Nach einem Putt geht es auf eine kleine
Laufrunde. Der Puls muss kontrolliert werden, um den nächsten Putt
konzentriert angehen zu können.

Sonderschicht bei Fehlputt: Anne Dinser leitet die Kraft- und Koordinationsübungen
Geht ein Putt daneben, hat Anne Dinser mehrere Kraftübungen mit
Medizinbällen und Therabändern aufgebaut, die vor der Laufrunde als
„Strafe“ zu absolvieren sind. Zeitdruck wird aufgebaut, da für jeden
gelochten Putt ein Punkt erzielt wird und in einem vorher festgesetzten
Zeitfenster diejenige gewinnt, die die meisten Punkte erspielt hat.
Natürlich gibt es für die Siegerin einen Bonus, die anderen bekommen
einen Malus in Form weiterer Kraftübungen.
Da nach dieser Morgenübung alle Sportlerinnen heftig geschwitzt sind,
geht es erst nach einer heißen Dusche auf den Platz. Es wird aber
natürlich nicht einfach eine Runde Golf gespielt. Wieder gibt es
Zusatzaufgaben, die die Spielerinnen unter Druck setzen. Ein Scramble
wird gespielt, bei dem jeweils aus der Lage des schlechteren Balls
weitergespielt werden muss. Aggressive Spielweise wird gefördert, indem
auch ein geteiltes Loch vor dem nächsten Abschlag bestraft wird.

Durch Sprünge und Sprints auf den Tees wird spielerisch die Explosivität trainiert
Der Anblick der springenden und rennenden Nationalspielerinnen sorgt
auf der Anlage von Son Mutander im Norden Palmas für Aufsehen, auch wenn
im Januar dort nicht viele Flights unterwegs waren.
Mittagszeit
Die Zeit reicht nicht für 18 Spielbahnen, da schon um 13 Uhr pünktlich
das Mittagessen im Clubhaus aufgetischt wird. Schon eine Stunde später
trommelt Marcus Neumann sein Team wieder auf der Driving Range zusammen.
Doch nicht kollektives Bälleschlagen steht auf dem Programm.
Zirkeltraining, bei dem alle Facetten des Golfsports mit zusätzlich
eingestreuten Kraft- und Schnelligkeitsübungen trainiert werden
Bei den vielen Positionen, die diese vielseitige Übungsform umfasst,
trifft es sich bestens, dass Marcus Neumann nicht nur von Co-Trainer
Michael Terwort und Physiotherapeutin Anne Dinser unterstützt wird,
sondern mit Christian Lanfermann und David Grasskamp zwei jungen Pros
auf dem Kaderlehrgang hospitieren, die an der Trainerakademie des
Deutschen Olympischen Sportbunds in Köln gerade ihr Studium zum
Diplom-Trainer absolvieren. So ist an allen Stationen immer ein
Übungsleiter dabei, der dafür sorgt, dass jede Einzelübung intensiv und
effektiv durchgeführt wird, egal ob mit oder ohne Golfschläger.
Immer beobachtet im Hintergrund Heiner Langenkamp das Geschehen. Der
Sportpsychologe, der unter anderem auch die Bundesliga-Profis von
Borussia Dortmund betreut, hat immer im Blick, wie sich vor allem die
mentale Belastung auf die jungen Golferinnen auswirkt. Die ausgesprochen
ruhige und kompetente Art, mit der der ehemalige Dozent und Leiter des
Prüfungsamts der Sportwissenschaftlichen Fakultät an der
Ruhr-Universität Bochum auf Spielerinnen und auch Trainerstab einwirkt,
sorgt für eine optimale Leistungsentfaltung der Aktiven.
Sonnenuntergang
Um 17 Uhr ist die Sonne längst wieder hinter den Bergrücken von
Mallorca untergegangen und im weniger werdenden Tageslicht ist die
Übungseinheit auf der Driving Range beendet. Mit dem Shuttle geht es
zurück zum Hotel, wo noch immer nicht Trainingsende ist. Auf einem
Beachvolleyball-Court geht es unter Flutlicht trotz wieder empfindlich
sinkender Temperaturen noch weiter. Kraftgrundlagen für die lange
Saison, die Ende Januar mit den Internationalen Portugiesischen
Amateur-Meisterschaften beginnen, werden mit Spielspaß gelegt.
Gegen 19.30 Uhr steht das gemeinsame Abendessen auf dem Programm.
Wasser und Apfelsaft stehen als Getränke auf dem Tisch und fröhliche
Plaudereien zeigen, dass die Mädels mit ihrem Trainerstab trotz aller
Mühen viel Spaß haben.
Nach dem Essen hat Anne Dinser noch alle Hände voll zu tun. „Keine
Wellness, sondern nur therapeutische Behandlungen“, so die
Diplom-Sportwissenschaftlerin, führt sie bei den Kaderspielerinnen
durch. Kleine oder größere Zipperlein werden durch die magischen Hände
der Norddeutschen behandelt. Die meisten Spielerinnen haben sich aber
auf ihr Zimmer zurückgezogen, um für Schule oder Uni zu lernen. Und dass
nach einem Trainingstag, der über mehr als zehn Stunden die
Aufmerksamkeit der Spielerinnen gefordert hat.
Der Tag war lang und hart, wie man es sich für ein ganz normales
Trainingslager von Leistungssportlern eben vorzustellen hat.
Ähnlichkeiten mit dem letzten Golfurlaub auf Mallorca, den viele Golfer
wohl schon mindestens einmal erlebt haben, gibt es praktisch keine.
Golf ist auf internationalem Top-Amateurniveau nicht mehr und nicht
weniger als Hochleistungssport, mit all seinen Anforderungen an
Spielerinnen und Betreuerstab.
Quelle und Fotos: www.golf.de/dgv -stebl´-
Kleines Bild oben: Michael Terwort, Co-Trainer von Marcus Neumann (Foto: DGV/stebl´)
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